Aufina Holding AG: Gericht nimmt Aufsichtsrat in die Haftung

Hamburg, 03.09.2008 - Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hat den Aufsichtsrat der insolventen Aufina Holding AG in mehreren Verfahren wegen vorsätzlich sittenwidriger Schädigung in die Haftung genommen, § 826 BGB (Urteile vom 23.06.2008, I-9 U 22/08 und I-9 U 14/08). Damit sprach der Senat, soweit ersichtlich, erstmals Aktionären Schadensersatzansprüche gegen den Aufsichtsrat einerPublikums-AG zu.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Aufsichtsrat wissen musste, dass die Anleger beim Kauf von nicht-börsennotierten Inhaber-Aktien der Aufina Holding AG unzutreffend über die Verwendung der Anlegergelder getäuscht wurden und das Verhalten des Vorstands durch die entsprechenden Beschlüsse bestätigt hat. Zudem stellten die Richter klar, dass aus der bewusst unterlassenen Aufklärung trotz der Verdachtsmomente für kriminelle Handlungen auf den eigenen Vorsatz geschlossen werden kann (OLG Düsseldorf, Urteil vom 23.06.2008, I-9 U 14/08; ferner dazu BGH, NJW 1994, 2289, 2291).

Rechtsanwalt Matthias Gröpper von der auf das Kapitalanlagerecht spezialisierten Hamburger Kanzlei BGKS Gröpper Köpke Rechtsanwälte: "Die Haftung von Aufsichtsräten gegenüber Anlegern ist in Deutschland grundsätzlich wegen des Vorsatzerfordernisses sehr schwierig durchzusetzen. Das Urteil weist jetzt den Weg zur Bejahung des Vorsatzes über evidente, zwingende Verdachtsmomente für das kriminelle Verhalten der Vorstände. Das ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Rechte der Aktionäre."

Zum Aufina-Skandal: Zwei Aufina-Vorstände hatten Ende der neunziger Jahre mit einem Heer von 60 (Telefon-) Verkäufern von über 7.000 Anleger durch den Verkauf von nicht-börsennotierten Inhaber-Aktien € 47 Mio. eingesammelt. Den Anlegern wurde erklärt, dass die Gelder in grundwertgesichertes Eigentumund solide Beteiligungen investiert werden. Zudem wurde ihnen in Aussicht gestellt, dass sich der Wert der Aktien nach dem beabsichtigten Börsengang verfielfachen würde. Doch dazu kam es nicht. Die Vorstände wurden wegen Kapitalanlagebetrug und Veruntreuung verhaftet und die Gesellschaft wurde dircht gemacht. Die Anleger verloren damit das ganze Geld.

Ansprechpartner: Herr Rechtsanwalt Matthias Gröpper